Erlauben sie...?

Einer der schönsten Nebeneffekte der Fotografie ist, dass sie mich mit Menschen zusammenbringt. Klar, man redet über seine Leidenschaft mit jedem, ob er es hören will oder nicht, aber manchmal entsteht ein Kontakt auch, während man voll dabei ist.

So geschehen vor einigen Wochen, als ich in Leipzigs Parks unterwegs war. Während ich nach einer guten Location für ein Babybauchshooting Ausschau hielt, brachte ich plötzlich meinen Drahtesel in vollem Lauf zum Stehen, weil ich von dem was ich sah, spontan ergriffen wurde:

Zwei Brüder spielten ausgelassen in einem riesigen Laubhaufen, der an den Wegesrand gefegt worden war. Das goldene Licht des Herbstnachmittags fiel auf ihre Gesichter, die ausgelassen lachten. Während sich die Brüder eine amtliche Laubschlacht lieferten, stand ich also wie verzaubert da und ließ den Moment auf mich wirken, ohne zu merken, dass ihre Mutter keinen Meter von mir entfernt vor mir stand und sich wunderte, wer da in voller Fahrt anhielt, um ihre Kinder anzustarren.

Als ich merkte, dass mein Verhalten wohl etwas seltsam wirken musste, hätte ich verlegen gucken und weiterfahren können. Stattdessen setzte ich dem Ganzen noch die Krone auf und fragte die Frau rundheraus: "Darf ich ein Foto machen?" Sonst fällt es mir eher schwer, wildfremde Menschen das zu fragen, aber dieses Motiv musste ich einfach haben. Sie war wohl genauso perplex wie ich und bejahte. Dann schnallte ich ich meinen Rucksack ab und brachte die Kamera samt gerade aufgesetzter Linse in Anschlag: Mir war klar, dass der Moment jederzeit vorbei sein konnte, deshalb konnte ich mir nicht den Luxus erlauben, von der Festbrennweite auf ein Zoom zu wechseln, oder lange im Menü Einstellungen zu tätigen. Jetzt musste alles stimmen, alle Settings wurden mit dem Auge am Sucher eingestellt. Bereits nach fünf oder sechs Bildern wurde einer der Jungs auf mich aufmerksam (ich gurkte wegen der Festbrennweite in Bodennähe herum) und legte sich noch mehr ins Zeug - allerdings war das Authentische dahin.

Ich packte ein, bedankte mich artig und versprach, die Bilder an die Familie weiterzuleiten. Ist ja selbstverständlich, schließlich hatte ich eine super Übung, eine schöne Erweiterung meines Portfolios und sie ein paar tolle Bilder. Durch das spontane Shooting und die gesendeten Bilder entstand ein Kontakt, der vielleicht sogar in nicht allzu ferner Zukunft zu einigen Jobs führen könnte - es hat sich also jetzt schon im wahrsten Sinne des Wortes ausgezahlt, über meinen fotografischen Schatten gesprungen zu sein.