I wish I could stop the clocks: Maternity Shooting mit Jozeka

Was mag ich noch besonders am Fotografieren? Es ist immer für eine Überraschung gut. Vor allem für Hochzeiten, aber auch für alle sonstigen Shootings habe ich es mir zu eigen gemacht, ausführlich vorzuplanen, das heißt Vorgespräche mit den Kunden, Locationbegehungen oder -suchen, Abstimmung mit allen Beteiligten und so weiter - alles wichtige Schritte, um eine Beziehung aufzubauen und im Ernstfall nicht in die Röhre zu gucken. Und doch gibt es immer wieder Momente, in denen Improvisation gefragt ist, weil etwas Unvorhergesehenes passiert. So auch an diesem Tag:

Nach der Begegnung im Park in meinem ersten Post habe ich mich drei Tage später am Parkeingang mit Jozeka getroffen, die ihren wachsenden Babybauch mit leuchtenden Herbstfarben umrahmt wissen wollte. Meine Suche hatte einige top Locations ergeben, die wir jetzt ablaufen wollten. Voller Euphorie wartete ich an einem sonnigen Montag an unserem Treffpunkt, nur eins kam mir spanisch vor: Die erwarteten goldenen Herbstfarben wirkten trotz wolkenlosem Himmel alle etwas flau und kontrastarm! Doch weil ich ja genau zur gleichen Zeit unterwegs war wie an meinem Scoutingausflug am Freitag, schob ich das auf meine persönliche Wahrnehmung.

Plötzlich bog Jozeka um die Ecke und grinste schon schelmisch: Mit einem fröhlichen "Hallo, na hast wohl die Zeit vergessen?!" begrüßte sie mich. Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte und checkte die Uhrzeit. Nein, ich war doch extra zehn Minuten früher da gewesen?! Meinem irritierten Blick entgegnete sie, dass am vergangenen Samstag die Zeitumstellung war. Heute war schon Montag. Es traf mich wie der LKW das Reh - ich hatte Mist gebaut.

In solchen Momenten bringt es nichts, den Kunden Professionalität vorzuheucheln - die merken das. Und selbst wenn ich die aufsteigende leichte Panik schnell in den Griff bekomme - so wie geplant würde es nicht mehr laufen, die Karten mussten auf den Tisch. Ich bot also zuerst mal an, das Shooting zu verschieben. Jozeka sah es aber zum Glück entspannt und wir kamen überein, es nur zu verschieben, wenn lichttechnisch wirklich gar nichts mehr gehen würde. Dann machten wir uns, wild entschlossen noch was zu reißen, auf "Lichtsuche".

Gerade in solchen Momenten, wenn man wirklich Druck hat, muss natürlich jeder Handgriff sitzen. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte noch kein Vorgespräch gehabt, bzw. mein Model wäre mir fremd gewesen und wir wüssten voneinander nichts - es hätte viel länger gedauert, meine Anweisungen umzusetzen und meine Ideen zu erklären - oder sie hätte die Sache gleich ganz abgesagt. So waren wir auf der gleichen Seite und haben gemeinsam daran gearbeitet, die Gunst der Abendstunde noch zu nutzen.

Ich mach´s kurz - es lief super! Wir hatten eine Menge Spaß und es sind gute Bilder dabei herausgekommen - so gute, dass Jozeka mich weiterempfohlen hat. Mehr dazu später hier im Blog!

Mitgenommen habe ich auf jeden Fall, dass es nie schadet, in der Fotografie das Unerwartete zu erwarten, entspannte Kunden sind natürlich auch eine große Hilfe. Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie sehr wir Fotografen von gutem Licht abhängig sind. Und den Fehler, die Zeitumstellung zu vergessen, habe ich zum ersten und letzten Mal gemacht!