Wikinger-Wedding

Bei Alex und Jans Hochzeitsfeier auf der Ochseninsel kurz hinter der deutschen Grenze in Dänemark war ich zwar leider nicht als Fotograf, sondern privat, trotzdem konnte ich die Finger nicht vom Auslöser lassen - es war aber ganz gut so, denn mir ging es gesundheitlich wirklich bescheiden, weil ich es wegen des heißen Wetters (36 Grad in Leipzig) mit der Klimaanlage übertrieben hatte. Ich war also echt fertig und zu allem Überfluss regnete es den ganzen Tag wie aus Eimern, wir Flachländer hatten natürlich wegen unseres Sommerwetters nicht angenommen dass es an der Küste und weiter nördlich nass und 20 Grad kälter sein würde und waren entsprechend dünn gekleidet. 

Die beiden hatten eine ganze Insel gemietet, wir wurden von fleißigen, vertrauenswürdigen Fährmännern im Zodiac übergesetzt, was nicht nur dem Sohn großes Vergnügen bereitete und es gab verschiedene Aktivitäten wie Boccia, Angeln, Bootsrennen, denen man ohne großes festgelegtes Programm nachgehen konnte. Und natürlich eine riesige Küche voller feinstem Essen und ordentlich Flens!

Trotzdem oder vielleicht gerade wegen des Wetters war es eine ganz besondere Stimmung, alle rückten zusammen und es wurden Regenschirme getauscht, Regenjacken ausgeborgt und abgesoffene Zeltende in die vorhandenen Gemeinschaftsräumlichkeiten integriert. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die meisten Nordlichter ein bisschen wie Wikinger aussahen! Für mich spiegeln die wenigen ausgewählten Bilder die raue Herzlichkeit des Nordens genauso wieder wie die stürmisch-düstere Lichtstimmung. Nicht nur deswegen war diese Hochzeit eine willkommene Abwechslung. Zu finden unter "Hochzeiten".

Willkommen in der Vollformat-Welt.

Aus der Ref-Blase aufgetaucht muss ich jetzt mal einen Rundumschlag machen. Die Website wurde endlich auf den allerneusten Stand gebracht, ich habe einige alte und ziemlich viele neue Bilder hochgeladen, die bislang noch nirgends zu sehen waren und es kommt in den nächsten Wochen noch einiges Großes, Aufregendes hinzu! Mehr Details in den jeweiligen Postings in den kommenden Wochen. 

Die letzten Wochen haben sich nämlich nicht nur privat überstürzt. die letzen Schulwochen waren schon stressig, aber es kamen einige (für mich) richtig große, knifflige Aufträge rein, die ich unmöglich ablehnen konnte. Da war es nur recht und leider teuer, in eine neue Kamera zu investieren. 

Nachdem ich mich beim Härtetest Hochzeit über 15 Stunden mit einer von Schellemedia geliehenen 5D Mark III vertraut machen konnte und wir gleich harmonierten, nenne ich jetzt auch eine Canon 5D Mark III mein eigen - einen Vollformat-Body, der obschon etwas in die Jahre gekommen ein absolut überirdisches Arbeitstier darstellt, das kaum Wünsche offen lässt. Gerade für die Hochzeitsfotografie ergeben sich jetzt ganz neue Möglichkeiten, so stand ich bei hereinbrechender Dunkelheit an einem leider sehr verregneten Tag auf einem wackligen Zodiac und habe bei ISO 4000 ein Gruppenbild geschossen, dessen Qualität auch bei 1:1 nichts zu wünschen übrig lässt - vor allem im Vergleich zu ISO 4000 am Crop-Sensor. Meine Frau hat die Kamera "Mark" getauft, steht ja schließlich so drauf, und verdreht nur noch die Augen, wenn ich von seinen Qualitäten zu schwärmen beginne. 

Ein weinendes Auge gibt es aber doch - ich kann meine erste "richtige" Kamera, die Grand Dame der Mittelklasse, meine gute alte 60D nur noch als Backup-Body und Auffüller für die noch nicht vorhandenen Brennweiten am Vollformat nutzen, das entstandene Haushaltsloch will nämlich erstmal gestopft sein, und bei nur nebenberuflichem Engagement und -Preisgestaltung dauert das eine Weile. Vor allem tut es mir leid um das gute Sigma 30 Art, das am Crop zu meiner Lieblingsbrennweite und zum Immerdrauf avanciert war. Das einzige Objektiv, das ich nach dem Upgrade weiter nutzen kann, ist das gute alte "nifty fifty", das "fantastic plastic", oder auch liebevoll "Joghurtbecher" genannt. Auch wenn es Preis-Leistungstechnisch immer noch überzeugt, schiele ich für die dem Vollformat würdige Abbildungsleistung schon auf das Brennweiten-Pendant aus der Art-Reihe, das mein miterworbenes Sigma 24-105 ART, das ich im Gegensatz zum gleich langen Canon-Produkt als wesentlich schärfer (und auch wesentlich schwerer) erlebt habe, gut ergänzen täte. 

Wer sich jetzt fragt, wie ich denn brennweitenmäßig jetzt so klar komme, dem sei erklärt dass ich gute Freunde habe, die mir ihr L-Glas und Festbrennweiten regelmäßig und ohne selbst etwas dafür zu wollen großzügig überlassen - das ist doch mal Nachwuchsförderung deluxe! Danke Rainer!

Auf der anderen Seite kann ich durch das Ausleihen meines Sigma 30 einen aufstrebenden Foto- und Videografen der nächsten Generation glücklich machen und so vielleicht etwas zurückgeben. 

Wachsen

Die Shootings mit Lisa und Franz waren etwas ganz Besonderes für mich, in mehrfacher Hinsicht: Neu war, dass ich die Portraitierten vorher noch nicht kannte, sie also auch nicht Freunde meiner Freunde waren oder dergleichen - sie hatten meine Bilder von Jozekas Babybauch gesehen und mich angefragt, das war also ein "echter" Auftrag. Die beiden wohnen in einer gemütlichen Wohnung im Norden Leipzigs und teilen sie sich mit drei tierischen Untermietern. Hunde und Katzen sind Modelle, die man nicht oder nur sehr begrenzt instruieren kann. Diese "WG" sorgte, wie auf den Bildern zu sehen, manchmal für einige witzige Einstellungen! 

Lisas kugelrunder Babybauch war auch Besonders, denn sein kleiner Ungeborener Inhalt war von Mama und Papa lange und schmerzlich herbeigesehnt worden, Vorgespräch und Shooting waren sehr emotional. 

Wir verstanden uns auf Anhieb und hatten sowohl beim Möbel ins beste Licht rücken als auch beim Shooting selbst eine Menge Spaß. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, sodass mit dem Wachsen des Bauches auch die Beziehung zwischen Fotograf und Modellen wachsen konnte - bis dahin, dass ein neues Modell hinzukam: die kleine Marta. Drei Monate später durfte ich noch einmal in die WG kommen, die nun eine neue Mitbewohnerin hatte, dort die Möbel umstellen und in schweißtreibenden, aber babygerechten Temperaturen das Elternglück der beiden fotografisch ausdrücken.

Das Wachsen einer Familie, das Wachsen einer professionellen Beziehung, das Wachsen meines fotografischen Ausdrucksvermögens und nicht zuletzt - das Wachsen meines Stapels unveröffentlichter, schöner Schwangerschafts- und Babyaufnahmen inspirierten diesen Text. Die Schwangerschafts- und Babybilder findet ihr auf der Website!

Ja, ich will!

Anlässlich des Beginns der diesjährigen Hochzeitssaison hatte ich gestern ein Vorgespräch. Dabei fiel mir auf, dass ich noch einige Schätze vom letzten Jahr in meinem Archiv habe, die es sich zu zeigen lohnt - zwei Hochzeiten, die im Dezember stattfanden. Ihr findet nun also Lisa und Carlo und Alex und Jan unter "Hochzeiten". Zusätzlich wurden auch die namenlosen Brautleute auf der Website noch vorgestellt - ich spendiere jeder neuen Hochzeit eine eigene Galerie und schreibe dran, wer geheiratet hat. Übersichtlich, schön und praktisch! 

Vorgestern hatte ich ein Babyshooting mit Marta und ihren Eltern - auch dabei fiel mir auf, dass die dazugehörigen Schwangerschaftsbilder es immer noch nicht auf die Website geschafft haben, obwohl sie wirklich wie ich finde super geworden sind. Ich gelobe Besserung und darf euch auf die nicht allzu ferne Zukunft vertrösten!

I wish I could stop the clocks: Maternity Shooting mit Jozeka

Was mag ich noch besonders am Fotografieren? Es ist immer für eine Überraschung gut. Vor allem für Hochzeiten, aber auch für alle sonstigen Shootings habe ich es mir zu eigen gemacht, ausführlich vorzuplanen, das heißt Vorgespräche mit den Kunden, Locationbegehungen oder -suchen, Abstimmung mit allen Beteiligten und so weiter - alles wichtige Schritte, um eine Beziehung aufzubauen und im Ernstfall nicht in die Röhre zu gucken. Und doch gibt es immer wieder Momente, in denen Improvisation gefragt ist, weil etwas Unvorhergesehenes passiert. So auch an diesem Tag:

Nach der Begegnung im Park in meinem ersten Post habe ich mich drei Tage später am Parkeingang mit Jozeka getroffen, die ihren wachsenden Babybauch mit leuchtenden Herbstfarben umrahmt wissen wollte. Meine Suche hatte einige top Locations ergeben, die wir jetzt ablaufen wollten. Voller Euphorie wartete ich an einem sonnigen Montag an unserem Treffpunkt, nur eins kam mir spanisch vor: Die erwarteten goldenen Herbstfarben wirkten trotz wolkenlosem Himmel alle etwas flau und kontrastarm! Doch weil ich ja genau zur gleichen Zeit unterwegs war wie an meinem Scoutingausflug am Freitag, schob ich das auf meine persönliche Wahrnehmung.

Plötzlich bog Jozeka um die Ecke und grinste schon schelmisch: Mit einem fröhlichen "Hallo, na hast wohl die Zeit vergessen?!" begrüßte sie mich. Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte und checkte die Uhrzeit. Nein, ich war doch extra zehn Minuten früher da gewesen?! Meinem irritierten Blick entgegnete sie, dass am vergangenen Samstag die Zeitumstellung war. Heute war schon Montag. Es traf mich wie der LKW das Reh - ich hatte Mist gebaut.

In solchen Momenten bringt es nichts, den Kunden Professionalität vorzuheucheln - die merken das. Und selbst wenn ich die aufsteigende leichte Panik schnell in den Griff bekomme - so wie geplant würde es nicht mehr laufen, die Karten mussten auf den Tisch. Ich bot also zuerst mal an, das Shooting zu verschieben. Jozeka sah es aber zum Glück entspannt und wir kamen überein, es nur zu verschieben, wenn lichttechnisch wirklich gar nichts mehr gehen würde. Dann machten wir uns, wild entschlossen noch was zu reißen, auf "Lichtsuche".

Gerade in solchen Momenten, wenn man wirklich Druck hat, muss natürlich jeder Handgriff sitzen. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte noch kein Vorgespräch gehabt, bzw. mein Model wäre mir fremd gewesen und wir wüssten voneinander nichts - es hätte viel länger gedauert, meine Anweisungen umzusetzen und meine Ideen zu erklären - oder sie hätte die Sache gleich ganz abgesagt. So waren wir auf der gleichen Seite und haben gemeinsam daran gearbeitet, die Gunst der Abendstunde noch zu nutzen.

Ich mach´s kurz - es lief super! Wir hatten eine Menge Spaß und es sind gute Bilder dabei herausgekommen - so gute, dass Jozeka mich weiterempfohlen hat. Mehr dazu später hier im Blog!

Mitgenommen habe ich auf jeden Fall, dass es nie schadet, in der Fotografie das Unerwartete zu erwarten, entspannte Kunden sind natürlich auch eine große Hilfe. Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie sehr wir Fotografen von gutem Licht abhängig sind. Und den Fehler, die Zeitumstellung zu vergessen, habe ich zum ersten und letzten Mal gemacht!

 


Erlauben sie...?

Einer der schönsten Nebeneffekte der Fotografie ist, dass sie mich mit Menschen zusammenbringt. Klar, man redet über seine Leidenschaft mit jedem, ob er es hören will oder nicht, aber manchmal entsteht ein Kontakt auch, während man voll dabei ist.

So geschehen vor einigen Wochen, als ich in Leipzigs Parks unterwegs war. Während ich nach einer guten Location für ein Babybauchshooting Ausschau hielt, brachte ich plötzlich meinen Drahtesel in vollem Lauf zum Stehen, weil ich von dem was ich sah, spontan ergriffen wurde:

Zwei Brüder spielten ausgelassen in einem riesigen Laubhaufen, der an den Wegesrand gefegt worden war. Das goldene Licht des Herbstnachmittags fiel auf ihre Gesichter, die ausgelassen lachten. Während sich die Brüder eine amtliche Laubschlacht lieferten, stand ich also wie verzaubert da und ließ den Moment auf mich wirken, ohne zu merken, dass ihre Mutter keinen Meter von mir entfernt vor mir stand und sich wunderte, wer da in voller Fahrt anhielt, um ihre Kinder anzustarren.

Als ich merkte, dass mein Verhalten wohl etwas seltsam wirken musste, hätte ich verlegen gucken und weiterfahren können. Stattdessen setzte ich dem Ganzen noch die Krone auf und fragte die Frau rundheraus: "Darf ich ein Foto machen?" Sonst fällt es mir eher schwer, wildfremde Menschen das zu fragen, aber dieses Motiv musste ich einfach haben. Sie war wohl genauso perplex wie ich und bejahte. Dann schnallte ich ich meinen Rucksack ab und brachte die Kamera samt gerade aufgesetzter Linse in Anschlag: Mir war klar, dass der Moment jederzeit vorbei sein konnte, deshalb konnte ich mir nicht den Luxus erlauben, von der Festbrennweite auf ein Zoom zu wechseln, oder lange im Menü Einstellungen zu tätigen. Jetzt musste alles stimmen, alle Settings wurden mit dem Auge am Sucher eingestellt. Bereits nach fünf oder sechs Bildern wurde einer der Jungs auf mich aufmerksam (ich gurkte wegen der Festbrennweite in Bodennähe herum) und legte sich noch mehr ins Zeug - allerdings war das Authentische dahin.

Ich packte ein, bedankte mich artig und versprach, die Bilder an die Familie weiterzuleiten. Ist ja selbstverständlich, schließlich hatte ich eine super Übung, eine schöne Erweiterung meines Portfolios und sie ein paar tolle Bilder. Durch das spontane Shooting und die gesendeten Bilder entstand ein Kontakt, der vielleicht sogar in nicht allzu ferner Zukunft zu einigen Jobs führen könnte - es hat sich also jetzt schon im wahrsten Sinne des Wortes ausgezahlt, über meinen fotografischen Schatten gesprungen zu sein.